Eine Weckrufwoche zur Klimaanpassung im Juni

Juni 2026, der Sommer hatte gerade angefangen. Es war seit mehreren Tagen richtig warm und dann extrem heiß, tagsüber und auch nachts. Um 18.00 Uhr wurden an der Wetterstation in Tönisvorst noch 36°C gemessen. Das war am 27. Juni.  Messungen können aber je nach Örtlichkeit variieren. An einer Hauswand zeigte ein Thermometer am gleichen Tag trotz Bewölkung in drei Metern Höhe um genau 18.30 Uhr (noch) 47°C. Auch umstehende Bäume konnten die Werte nicht drücken, weil da gegen Abend die Sonne ordentlich hinknallte. Ein Hitzehotspot.

In dieser Situation machen sich viele Gedanken, wie es weitergeht – in der persönlichen Situation, aber auch, was im öffentlichen Raum passiert. Da konnten gerade Züge nicht fahren, weil sich Schienen verbogen, Autobahnen wurden gesperrt, weil die Fahrbahn aufplatzte, in manchen Regionen begann das Trinkwasser knapp zu werden. Ein einziger Hitzetag mit mehr als 30°C kostet die deutsche Wirtschaft 431 Millionen Euro. Dabei sind dafür weniger die Produktionsausfälle verantwortlich als vielmehr die eingeschränkte Leistungsfähigkeit der Arbeitnehmer (97 Prozent), stellt eine Analyse von Prognos fest, die vom Ministerium für Arbeit und Soziales in Auftrag gegeben wurde. Natürlich geht auch wegen der zunehmenden extremen Erderwärmung, die zu solchen Hitzewellen führt, die Welt nicht unter, da hat der Kanzler recht. Aber das ist eine umgangssprachliche Bezeichnung dafür, dass alles nicht so schlimm ist. Das ist jedoch eine fatale Fehleinschätzung der Lage, in der sich unser Planet und auch Deutschland befinden. Schon ein Hitzetoter aufgrund der zu erwartenden Hitzewellen ist einer zu viel, und deshalb kann der Klimaschutz, anders als Frau Reiche uns erzählen will, nicht genug überbetont werden, um uns alle vor den Folgen zu schützen.

2003 führte die Europäische Hitzewelle zu 70000 Hitzetoten. Wie viele werden es diesen Sommer 2026 werden? Totenscheine sagen nicht, dass viele der alten Menschen in überhitzten Wohnungen gestorben sind, der Pflegedienst nur einmal täglich kam. Werden wir das alles im Herbst schon wieder vergessen haben und die Menschen, die dringend Hilfe bräuchten, im Stich lassen? Im RedaktionsNetzwerk Deutschland prognostiziert der Soziologe und Geschäftsführer des Max-Planck-Instituts Dr. Jens Beckert, dass wir gerade unsere Zukunft für die nächsten Quartalszahlen, kommende Wahlergebnisse und unser heutiges Vergnügen verkaufen. Woran liegt es, dass das so ist? Die beste Anpassungsmaßnahme wäre Klimaschutz. Aber die Wirtschaft muss brummen und dahin muss das Geld fließen. Sonst wird gejammert. Und auch den Menschen im Land geht es nicht um Umweltfragen. Infratest dimap hat gerade für NRW ermittelt, dass an erster Stelle bei politischen Problemen Infrastruktur, ÖPNV und Verkehr stehen. Klimaschutz rangiert ganz hinten. Klimaanpassungsmaßnahmen kommen gar nicht vor. Das Thema ploppt immer dann auf, wenn gerade ein schlimmes Ereignis eingetreten ist. Was besonders schlimm auffällt: In der Hitzewelle vom Juni hat die Politik überhaupt nicht reagiert. Damit kann man nämlich keine Wahlen gewinnen. Auch die Menschen im Land werden vermutlich wieder zur Tagesordnung übergehen, wenn der Starkregen oder die Hitzewelle vorbei ist, an Urlaub, das nächste Fußballspiel oder den Besuch im Biergarten denken.  

Vor den Folgen des Klimawandels zu schützen obliegt vor allem den Kommunen. Aber noch ist dies keine Pflichtaufgabe. Und da die Kommunen gerade in der Mehrzahl Defizite in ihren kommunalen Haushalten verzeichnen, bleiben aufwendige bauliche Maßnahmen auf der Strecke. Bund und Länder müssten die Kommunen besser bei der sozialen Infrastruktur unterstützen. Mehr Bäume und Verschattung, einen wirksamen Sonnenschutz an Gebäuden und begrünte Außenanlagen, Kühllösungen für Krankenhäuser, Kitas, Schulen und Pflegeheime, mehr Wasser in der Stadt, Frischluftschneisen, Schwammstadt-Maßnahmen und vor allem Entsiegelungen. All das ist kein Luxus, geschieht aber nicht in umfassendem Maße.

Das ist in Grefrath nicht anders. Im Rat wurde zwar am 30.06.2026 ein Klimafolgenanpassungskonzept beschlossen, allerdings auch mit dem Passus, die darin enthaltenen Maßnahmen lediglich „zu gegebener Zeit“ umzusetzen. Dieser Passus im Beschluss ist sehr bedauerlich, auch deshalb, weil im beschlossenen Konzept eine proaktive Klimaanpassung vorgesehen ist. Das heißt nicht zu warten, bis man auf eine extreme Situation reagieren muss. Auch Grefrath ist eine betroffene Fläche, die bei sommerlichen Großwetterlagen unter starker Hitzebelastung leidet. Zu rechnen ist mit durchschnittlichen Temperaturerhöhungen je nach Szenario mit bis zu 3,2° C bis zum Ende des Jahrhunderts sowie mit längeren nassen Perioden im Winter und Trockenperioden im Sommer. Wenn wir aber jetzt schon in NRW bei einer durchschnittlichen Temperaturerhöhung von 1,6° C unter Hitzewellen im Juni mit sehr starken Belastungen zurechtkommen müssen, dann ist bei Klimaanpassungsmaßnahmen  Handeln mit Nachdruck erforderlich.

In Zeiten großer Hitze kann zum Beispiel der Temperaturunterschied zwischen Grün- und Asphaltflächen bis zu 20° C und mehr betragen. Jede entsiegelte Asphaltfläche ist deshalb bester Hitzeschutz. In unseren Kommunen bestehen Schulhöfe zumeist noch aus Asphaltflächen und sind geeignete Projekte für Klimaanpassungsmaßnahmen mit Entsiegelung, Begrünung und Wasserfläche. In Grefrath bietet sich die Gemeinschaftsgrundschule an der Burg Uda in Oedt an. Hier würde mit einer solchen Maßnahme die Temperatur mit Sicherheit heruntergekühlt und zusammen mit Beschattungstechnik an der Außenwand für Schüler und Lehrer eine Erleichterung sein.

Ein weiteres auszuschöpfendes Potential ist der Ausbau grün-blauer Infrastruktur. Überall dort, wo es möglich ist, sollte dies geschehen, denn es schützt gleichermaßen vor Hitze, versucht aber auch andere Extremwetterereignisse wie Starkregen und Dürre besser zu managen. Die Abbildung unten zeigt ein Beispiel von verschiedenen Infrastrukturbausteinen zur Kopplung von Begrünung und Wasserinfrastruktur zur besseren Anpassung an den Klimawandel.

Abb. Quelle: Die Kopplungsmöglichkeiten von grünen, grauen und blauen Infrastrukturen mittels raumbezogener Bausteine. Ergebnisse aus dem Arbeitspaket 2, netWORKS 4

Unstrittig und nicht neu ist, dass wir in Zukunft bei steigender Erwärmung mit häufigeren und intensiveren Extremwetterereignissen rechnen müssen. Neu ist aber, dass wir selbst bei einer moderaten Erwärmung von 2° C mit erheblichen Klimarisiken rechnen müssen. In bestimmten Regionen kann das zu schwerwiegenden Auswirkungen auf Wirtschaft uns Gesellschaft führen. Leider kann auch Deutschland betroffen sein. Das zeigt das Beispiel der Dürre vor wenigen Jahren. „Die mehrjährige Dürre nach 2018 führte uns eindrucksvoll vor Augen, dass selbst in eigentlich wasserreichen Regionen wie Deutschland ernsthafte Dürreprobleme auftreten können.“ (Bernd Klauer in: Dürre, Wachstum, Ungleichheit. Pressemitteilung des Helmholtz Zentrum für Umweltforschung vom 25. März 2026). Dürre und wie wir damit umgehen ist deshalb ein weiteres wichtiges Thema, mit dem wir uns beschäftigen sollten.