Klimakommunikation vor Ort 05.07.2022

Im Augenblick folgt zum Thema Umwelt und Klimakrise eine Konferenz nach der anderen. Es werden Ziele gesetzt und politische Maßnahmen verabredet. Aber: Wir werden mit unserem CO2-Budget die Erderwärmung kaum aufhalten können, wenn wir weiter zu wenig tun.

Warum geht es mit dem Klimaschutz und der Anpassung nicht voran?

Es gibt einmal psychologische Gründe oder massive Verhinderungskampagnen seitens großer Konzerne, aber auch interessengeleitete Politik, die wirksames Handeln blockiert.

Wir neigen dazu, schlimme Dinge zu ignorieren, zu verdrängen. Der Klimawandel wird nicht als gegenwärtige Gefahr erkannt. Es gibt noch weitere Mechanismen, mit denen wir erfolgreich nicht auf den Klimawandel reagieren. Das ist dann besonders fatal, wenn Politik aufgrund solcher Mechanismen nicht handelt.

Können wir dann in Kommunen überhaupt etwas zu Klimaschutz und Klimaanpassung tun?

Ja, wir können und müssen.

Aber wie kommunizieren wir das Problem und wie motivieren wir zum Handeln, auch die, die sich dem Thema bisher verweigert haben.

Um Menschen besser erreichen zu können, sollten wir da ansetzen, wo Betroffenheit vorliegt. Dann wird eine politische Debatte über Maßnahmen eher auf fruchtbaren Boden fallen. Wir werden ja meist erst hellhörig und interessieren uns für ein Problem, wenn wir selbst davon konkret betroffen sind. Damit kann Grefrath, was die Klimakrise betrifft, durchaus dienen. Etliche Bürger haben die Folgen des Klimawandels schon zu spüren bekommen: letztes Jahr mit einem Starkregenereignis und 2019 mit einer extremen Hitzewelle.

Beispiel Hitzewelle: In der Nachbarkommune Tönisvorst wurde am 25. Juli 2019 eine Temperatur von 41,2° C gemessen, die höchste je gemessene Temperatur in Deutschland damals. Es herrschte in dem Sommer eine sehr belastende Hitze, die lange dauerte, die die Dürre verschärfte und zu höherer Mortalität führte. Solche extreme und langandauernde Hitze ist eine Herausforderung für den Körper, der dann Probleme bekommt, die Körpertemperatur zu regulieren. Problematischer wird die Belastung noch dadurch, wenn es sich in den Nächten nicht mehr genügend abkühlt und man nicht mehr richtig schlafen kann. Ich bin damals von meiner oberen Etage zum Schlafen in den Keller gegangen oder nach draußen auf die Terrasse. Dort kamen dann die Mücken!

Was machen aber die Menschen, die in Dachwohnungen leben, die nicht mehr mobil sind und den überhitzten Ort nicht verlassen können?

Nicht ohne Grund fordert daher die Ärztekammer einen nationalen Hitzeschutzaktionsplan, der bundeseinheitlich regelt, dass wir Vorkehrungen treffen.

Es geht um unsere Gesundheit und natürlich auch Lebensqualität. Ein solcher Aktionsplan würde regeln, dass in der Kommune Maßnahmen beschlossen werden, die sicherstellen, dass wir mit der Hitze klarkommen.

Im Rahmen schon bestehender Planungen gibt es viele mögliche Maßnahmen, die uns vor Hitze infolge des Klimawandels schützen können, zugleich aber auch dem Klimaschutz und der Einsparung von Emissionen dienen.

Dazu gehören z.B. solare Energie für Kühlung, hitzedämmende Gründächer, hitzereduzierende Baumaterialien, Beschattung mit Thermoglas, Frischluftschneisen und ausreichend Grün im öffentlichen Raum. Aber auch weniger aufwendige und schnell durchzuführende Maßnahmen wie Wasserspender oder Rückzugsmöglichkeiten in gekühlte öffentliche Räume bringen Erleichterung.

Wir sollten in der politischen Klimakommunikation zu einer Strategie gelangen, die festlegt, wie wir mit den Herausforderungen umgehen und es schaffen, zum Handeln zu kommen. Dabei ist es hilfreich, nicht alles auf einmal in Angriff zu nehmen, sondern sich erst einmal auf einen Bereich zu fokussieren, der umsetzbar und erwartbar wirksam ist. Interessant ist zum Beispiel, dass das Verzichten auf Klimaanlagen sehr viel CO2-Äquivalent einspart und daher Gründächer als Ersatz geeigneter sind. Noch effizienter sind Solargründächer, um das CO2-Budget etwas kleiner zu machen. Und das entspräche genau dem Ziel des Klimaabkommens für die Erhaltung der Lebensgrundlagen unseres Planeten.

Es sind augenblicklich einige bauliche Vorhaben geplant wie das neue Rathaus, bauliche Maßnahmen in Mühlhausen und in Oedt. Auch der Marktplatz in Alt-Grefrath soll schöner werden. Da ließen sich doch sicher Ideen entwickeln und Maßnahmen zum Hitzeschutz integrieren.

Damit eine Umsetzung gelingt, müssen wir ein ins Auge gefasstes Projekt vorstellen.

Mir gefallen zum Beispiel die Optionen von ausreichend Grün im öffentlichen Raum oder Solargründächern besonders gut. Sie verschaffen die beabsichtigten Kühleffekte, dienen der Gesundheit und dem Klimaschutz und erfüllen das Kriterium der wirksamen Emissionsminderung.

Manchmal hilft der Blick in andere Kommunen. Die Stadt Recklinghausen hat mit Bürgerbeteiligung eine Klimamap entwickelt, eine interaktive Karte, auf der die Bürger Orte markieren konnten, die sie für besonders hitzeanfällig oder auch von Starkregen oder Starkwind bedroht hielten. Auf der daraus entwickelten Karte kann man jetzt die Problemorte sehen und dazu die Maßnahmenvorschläge.

Es ist anzunehmen, dass Projekte auf mehr Akzeptanz stoßen, wenn die Menschen aktiv mitarbeiten können. Denkbar wäre eine solche Map für Grefrath, auf der auf zwei Folien einmal hitzeanfällige Orte und zum anderen geeignete Orte für mehr Grün im öffentlichen Raum benannt werden. Legt man beide Folien übereinander und dabei ergäben sich dann Orte, wo sich beide Aspekte decken, hätte man einen guten Lösungsvorschlag, den man mit Ergebnissen aus einer Klimamessung und planerischen Überlegungen zur Bepflanzung auf Umsetzbarkeit überprüfen kann.

Wenn man das zuständige Amt in der Verwaltung gewinnen könnte, wäre ein erster Schritt vom Nichtstun zum Handeln getan und könnte einem politischen Beschluss etwas nähergekommen sein.

In einen anderen Rahmen könnte man das Starkregenereignis vom letzten Jahr einbetten, von dem etliche Bürger aus unserer Gemeinde massiv betroffen waren. Es gibt genug Informationen über Klimaanpassungsmaßnahmen auch hierzu. Die beste Maßnahme aber ist, die Erderwärmung zu stoppen und die CO2-Emissionen zu senken.

Anstoßen kann man Ideen durch den vom Umweltausschuss neu eingerichteten Lenkungskreis, in dem Politiker und Akteure aus verschiedenen Bereichen vertreten sind. Hier ist der Ort, von dem aus die Klimakommunikation den Klimaschutz und die Klimaanpassung voranbringen kann.

Doris Friemelt