Die Blühwiese vor dem Rathaus in Oedt leidet. Ob die Wildpflanzen, die im November eingesetzt wurden und sich mit Hilfe des Winterregens gut einwurzeln sollten, lange Zeit ohne Regen durchhalten? Eigentlich kommen Wildpflanzen gut mit Trockenheit zurecht und es sollte jetzt auf der Wiese blühen. Aber seit Monaten hatten wir im Westen geringere Niederschläge als üblich und seit Wochen hat es gar nicht geregnet. Im Jahr 1540 hatte es von Februar bis Anfang Dezember nicht geregnet und auch damals war es sehr warm. Die Folgen der Dürre waren verheerend. Jetzt ist der Boden bei uns schon bis in zwei Meter Tiefe stark ausgetrocknet. Mit Folgen für die Flusspegel und die Schifffahrt, die Talsperren und die Grundwasserreserven, die Forst- und Landwirtschaft und die Ökosysteme. Aber nicht nur die geringen Niederschläge sind ein Problem. Im Zusammenspiel mit Hitze, die wir schon in mehreren Wellen hatten, wirkt sich auch noch viel stärker die Verdunstung auf die Bodenfeuchtigkeit aus. Dürreperioden resultieren aus solchen unterdurchschnittlichen Niederschlagsmengen, verstärkt durch Verdunstung, besonders bei hohen Temperaturen.
Weltweit haben sich laut der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD) zwischen 1900 und 2020 die von Dürre betroffenen Regionen verdoppelt auf gegenwärtig mehr als ein Fünftel der Landfläche. In Deutschland sind 97 Prozent der Fläche von durchschnittlicher Dürrehäufigkeit betroffen. Bei Dürre ist der Wasserkreislauf erheblich gestört und betrifft Bodenfeuchte, Oberflächenwasser und Grundwasserreserven. Die Zunahme der Erderwärmung führt dann auch dazu, dass zusammengesetzte Extremwetterereignisse mit schwerwiegenden ökonomischen, ökologischen und gesundheitlichen Auswirkungen zunehmen.
Es können Dürre und Hochwasser auftreten, da bei Dürre die Wasserinfiltration durch harte ausgetrocknete Böden verringert ist.
Treten Dürre und Hitze gleichzeitig auf, nimmt nicht nur die Volkswirtschaft in gefährdeten Regionen Schaden, auch die Lage privater Haushalte verschlechtert sich, und zwar umso stärker, wenn Dürre und Hitze nicht jeweils allein, sondern zeitgleich auftreten. Ärmere Haushalte sind belasteter als reiche. Erhöhtes Armutsrisiko entsteht da, wo die finanziellen Ressourcen fehlen, sich zu schützen und aus kurzfristigen Auswirkungen langfristige Folgen werden. (Ruth Schleypen et al.: Zusammengesetzte trockene und heiße Extreme verschärfen Einkommensungleichheit und Armut in Europa).
Vermehrt treten Dürren und Waldbrände mit verheerenden Folgen auf wie gerade jetzt in Westeuropa, da die Wälder bei Dürre viel anfälliger sind (Global Drought Outlook. 17. Juni 2026). Diese Ereignisse haben einen Komplex von Ursachen. Voraus gingen Nässe im Winter mit üppig wachsender Vegetation, danach unüblich frühe Hitzewellen Ende Mai und Juni und langanhaltende Trockenheit. Europa erwärmt sich doppelt so schnell wie der globale Rest. Dabei spielen steigende Temperaturen der Arktis eine Rolle, wo dunkleres Meerwasser durch die Eisschmelze mehr Sonnenlicht absorbiert. Die Meeresoberflächentemperaturen an der Atlantikküste und im Mittelmeer stiegen an und sorgten für mehr Erwärmung der Luft. Auch konnten hohe Luftströmungen Wärme über dem Kontinent einschließen. Diese zusätzliche Hitze trocknete die Landoberfläche aus. Die Pflanzen gelangten schnell an ihren Welkepunkt und vertrockneten. Trockene Böden verdunsten nichts mehr und verstärken so die Erwärmung (Europe pays the price in a summer where heat went off the charts. abc.net.au).
Wie gehen wir mit solchen Dürrephasen um? Dürre ist schlimm. Sie kommt langsam und dann sieht man es an der Vegetation und an den Flüssen. Die Böden sind trocken und fällt kein Regen, verschlimmert sich bei anhaltenden hohen Temperaturen die Trockenheit. Landwirtschaft und Viehwirtschaft, Schifffahrt und Ökosysteme geraten unter Druck. Preise steigen und Wassermangel kann zu Rationierung führen. Zum Umgang mit Dürreereignissen sieht Andreas Marx, Leiter des Dürremonitors vom Helmholtz-Zentrum, es deshalb für notwendig an, langfristig die Wasserverfügbarkeit zu sichern (zum Beispiel durch Talsperrensteuerung oder andere landwirtschaftliche Methoden) und Dürre wie Hochwasser als Extremereignis mit einem entsprechenden Warnsystem zu behandeln.
Um besser den klimawandelbedingten Veränderungen in unseren Landschaften wie dem fortschreitenden Absinken des Grundwasserspiegels und der Austrocknung der Landschaft gegensteuern zu können, wurde vom Econics-Institut gemeinsam mit dem NABU der Grün-Feucht-Kühl-Index erstellt, der die Leistungsfähigkeit unserer Landschaften anhand von Messwerten aus Satellitendaten anzeigt und wichtige Informationen für politische Entscheidungen liefert. Gemessen wurde die Leistungsfähigkeit der Natürlichen Infrastruktur anhand von Grünheit, Niederschlag und Oberflächentemperatur für den Zustand der Pflanzendecke, der Wasserressourcen und der Hitze- und Dürrerisiken. Leider zeigt der Index einen bundesweiten negativen Trend an.
In unserer Gegend sind für die Bedingungen, die zu Dürre führen, die Werte aus den ländlichen Gebieten und dem urbanen Raum interessant. In ländlichen Gebieten, deren Landschaftsstruktur weniger ausgeräumt und weniger stark vereinfacht ist, zeigt der Index bessere Werte. Kritisch sind die Werte aber ähnlich wie in urbanem Siedlungsgebiet in austrocknenden Agrarlandschaften. Ackerland heizt sich stärker auf als zum Beispiel Grünland. In allen Bundesländern befindet sich Ackerland in einem stark geschädigten Zustand. Gute ökologische Kernwerte gibt es dort, wo große Verbundsysteme mit zusammenhängenden Grünflächen vorkommen. Leider zeigt der Bericht für unsere Gegend keinen guten ökologischen Kernwert. Messungen aus dem Zeitraum von 2021 bis 2025 ergaben, dass die Natürliche Infrastruktur kritisch geschädigt ist. Das bedeutet, dass nur eingeschränkte Ökosystemfunktionen vorliegen und Maßnahmen erforderlich machen. Das Problem besteht in der mangelnden Wasserrückhaltefähigkeit der Böden. Der Bericht empfiehlt daher dringend, der Austrocknung gegenzusteuern mit Maßnahmen zur Wasserrückhaltung wie dauerhafte Bodenbedeckung, dreidimensionale Vegetationsstrukturen und Rückkehr zu kleinteiligen, strukturreicheren Flächen.
„In den urbanen Räumen muss dringend mehr Raum für Vegetation geschaffen werden. Hier müssen Kommunen von punktuellen, rein dekorativen Begrünungen und pflegeleichten Pflanzkübeln zu einem systemisch-funktionalen Ansatz übergehen. Vernetzte Grün-Blaue Infrastrukturen sind in den Flächennutzungsplänen zu verankern und auf der Fläche zu schaffen bzw. zu bewahren, um die negativen Wirkungen der urbanen Hitzeinseln effektiv zu dämpfen.“- so sagt es der Bericht. (Adhikari, Y., Engelhardt, I. M. & Ibisch, P. L. (2026). Quantifying priorities for restoration and conservation of natural infrastructure. Zenodo. https://doi.org/10.5281/ZENODO.20794874.)
Wenn die Ackerbauern in Zukunft Ernte einbringen wollen, werden sie auf die in den nächsten Jahren zu befürchtenden Extremereignisse mit geeigneten Maßnahmen reagieren müssen. Und wenn wir in unserer Gemeinde ebenso in den nächsten Jahren noch Grün sehen wollen, dann wird auch die Gemeinde sich verstärkt um die Grün-Blaue Infrastruktur bemühen müssen, so wie Gartenbesitzer, wo es möglich ist, um Regenwassernutzung. Die wichtigste Maßnahme für alle Akteure bleibt aber immer noch die Senkung der Emissionen, denn mit jedem Zehntelgrad mehr an Erwärmung erhöhen sich die Verdunstungsbedingungen und Dürren erleben wir dann regelmäßig. Somit ist es auch absolut nicht klug, wenn Deutschland den Ausstieg aus dem Braunkohletagebau verschieben will.

